Technical University of Munich, Department of Computer Science
MQM Paper: [Struss 97a]

Peter Struss

Eine strategische Diagnose-Initiative ist nötig.

Beitrag zu einer Podiumsdisskussion auf der XPS-97 zum Thema "Erfolgskriterien und Risiken beim Einsatz wissensbasierter Diagnosesysteme in der industriellen Praxis"

Erschienen in: Künstliche Intelligenz (KI) 2 / 97, Juni 97, pp. 15-19, 1997.

Dieser Beitrag gründet sich auf meine 16-jährige Erfahrung mit modellbasierten Systemen, qualitativer Modellierung und automatischer Diagnose, gesammelt

Ich vertrete folgende Thesen, die hier als "executive summary" vorangestellt seien:

1. Wissensbasierte Diagnosesysteme und, darüber hinaus, modellbasierte Systeme sind reif für industrielle Anwendungen. Die Ausschöpfung ihres Potentials erfordert aber einen radikalen Wandel gegenüber der gegenwärtig vorherrschenden Praxis des Technologietransfers.

2. Die Forschergemeinde muß sich aus der falschen Generierung "prinzipieller Lösungen" oder prinzipienloser Pragmatismen befreien. Es gilt, Diagnose als realen Arbeitsprozeß zu erforschen. Dies ist nicht im rein akademischen Bereich durchführbar.

3. Computerunterstützung oder Automatisierung von Diagnose im industriellen Bereich erfordert die Erfassung und Repräsentation von Wissen über technische Systeme und Arbeitsabläufe und ist daher nicht isoliert lösbar.

4. Die drastischeVeränderung ingenieurmäßiger Arbeitsprozesse durch den Einsatz wissensbasierte Systeme ist ein gewaltiges Potential, aber auch ein gewaltiges Hindernis für die Einführung dieser Technologie.

5. Das zielstrebige Vorantreiben der Einführung der Technologie erfordert weitreichende Entscheidungen auf relativ hoher Managementebene. Manager dieser Ebene schrecken aber vor dem Risiko auch nur experimenteller Erprobung zurück und/oder erkennen das Potential wissensbasierter Technologie gar nicht. Die deutsche Industrie läuft Gefahr, eine große Chance zu verpassen.

6. Was jetzt erforderlich ist: Forschungsprojekte im industriellen Kontext, damit die Forschung die tatsächlichen Arbeitsprozesse in den Blick bekommt und ihre Ergebnisse und deren Nutzen direkt überprüfbar sind. diese Projekte dürfen keine schmalen Spielwiesen sein, sondern müssen auf Integration zielen: sowohl vertikal (Forschung mit echten Anwendungsbedingungen) als auch horizontal (verschiedene industrielle Arbeitsprozesse).


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created: Jakob Mauss, September 24, 1997, last updated: Jakob Mauss, December 4, 1997